Liebe Gläubige in den Landpfarreien,
in wenigen Stunden werden wir die frohe Botschaft hören: "Heute ist euch der Heiland geboren. Er ist der Messias, der Herr." (Lk 2 , 12) Weihnachten ist der Tag, an dem wir erkennen, dass unser Berufung zur Lebensgemeinschaft mit dem Erlöser nicht nur Christi Tod und Auferstehung, sondern auch seine Geburt einschließt. Neu geboren werden aus Maria und durch Maria, dazu ruft uns das Johannesevangelium an Weihnachten auf: "...jene, die nicht aus dem Willen des Fleisches... sondern aus Gott geboren sind." (Joh 1, 13). (Nebenbei bemerkt: Es ist bedauerlich, dass dieser Text, der in der gregorianischen Messe täglich verkündet wird, aus der Messliturgie verschwunden ist, sodass wir ihn nur noch einmal im Jahr hören dürfen.)
Wie ereignet sich diese Wiedergeburt des Christen aus Gott, von der Johannes hier spricht? Der Heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort beschreibt sie wie folgt: "Wenn Jesus Christus, das Haupt der Menschen, in Maria geboren ist, so müssen die Auserwählten als Glieder dieses Hauptes notwendiger Weise auch in ihr geboren werden ... Alle wahren Auserwählten haben Gott zum Vater und Maria zur Mutter; und wer Maria nicht zur Mutter hat, kann auch Gott nicht zum Vater haben." (Das Goldene Buch)
Bemerkenswerterweise hat das Zweite Vatikanische Konzil genau diesen Gedanken aufgegriffen, dass Maria "beim Werk des Erlösers in durchaus einzigartiger Weise in Gehorsam, Glaube, Hoffnung und brennender Liebe mitgewirkt [hat] zur Wiederherstellung des übernatürlichen Lebens der Seelen." (LG 61). Diese Worte des letzten Konzils sollten nicht vergessen werden. Wird man den Mut haben, anlässlich der 50-Jahr-Feierlichkeiten des "Konzilsausbruchs" im nächsten Jahr, auch an diese Textstellen zu erinnern?
Die letzten Wochen waren der Versuch, auf diesem Blog zur geistlichen Wiedergeburt durch die sogenannte "Marienweihe" einzuladen. Wie sehr danke ich jedem einzelnen, der sich auf diesen Weg begeben hat, den u.a. der Heilige Maximilian Kolbe so eindringlich empfiehlt. Ich bin sicher, dass alle Mühen Frucht tragen werden - auch für unsere Landpfarreien. Danken möchte ich auch jenen, die in zum Teil sehr persönlichen Zeugnissen von den Anfechtungen und auch von den Gnaden berichtet haben, die ihnen in dieser Zeit zuteil wurden. Die Marienweihe war - nebenbei bemerkt - außerdem der Versuch, die katholische Blogozese unter die Herrschaft der Gottesmutter zu bringen. Wie groß ist die Gefahr dieses Mediums, ein Forum der Selbstdarstellung, der Zerstreuung und der Geschwätzigkeit zu werden, anstatt der Rettung der Seelen zu dienen!
"Mein Unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führen wird." Dieses Wort der Muttergottes in Fatima an die Seherin Lucia möchte ich Ihnen gerne mitgeben für das neue Jahr. Ich selbst habe lang gebraucht, um den Sinn dieser Worte zu verstehen. Vielen erscheinen sie ein wenig übertrieben, vielleicht kitschig, bigott oder weltfremd. Sie sind aber das genaue Gegenteil. Wer z.B. die entsprechenden Kapitel der Offenbarung des Johannes liest, der weiß, dass bis in die letzte Stunde hinein ein sehr realer, konkreter und für jeden vernünftigen Christen deutlich erkennbarer Kampf zwischen der "Frau" und der "Schlange" toben wird (vgl. Offb 12) - ein Kampf, in dem es um alles, nämlich um das Heil jeder einzelnen Seele geht. Der Herr selbst sagt einmal, dass in dieser Auseinandersetzung niemand bestehen könnte, wenn die Zeiten nicht - um der Auserwählten willen - abgekürzt würden. (vgl. Mt 24, 22) In diesem Kampf ist die sündenlose Jungfrau der einzige Ort, an dem wir vor dem Bösen geschützt sind, weil der Widersacher in Maria keinen Zutritt hat. Jeder Priester, der im Befreiungsdienst steht, kann dies mit erschütternden Zeugnissen bestätigen: Der Teufel hasst nichts so sehr wie die Immaculata.
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Zwischen den "Auserwählten" und der "Welt", zwischen den Kindern Mariens und den Anhängern der Teufels herrscht eine Feindschaft - nach dem Heiligen Ludwig ist es die einzige Feindschaft, die Gott jemals selbst aufgerichtet hat, und zwar ganz am Anfang der Bibel mit den Worten "Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihrem Nachwuchs" (Gen 3,15). Eben darauf weist Christus seine Jünger in den Abschiedsreden hin: "Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt." (Joh 15,18)
Um besorgte Gemüter zu beruhigen: Es soll die "Welt" nicht grundsätzlich schlecht geredet werden - das versteht sich eigentlich von selbst. Schließlich hat Gott die Welt so sehr geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gesandt hat (vgl. Joh 3,16). Er liebt den Sünder - aber er verabscheut die Sünde. Ein kleiner, aber bedeutsamer Unterschied. Deshalb gilt: Wir müssen erkennen, wo die "Welt" sich gegen Gott auflehnt und den einzelnen Christen zum Abfall von Gott verführen möchte - oftmals sehr subtil und schwer zu durchschauen. "Feindschaft" und "Kampf" muss darüber hinaus nichts Sensationelles und Spektakuläres haben, im Gegenteil: Der alltägliche und mühsame Kampf gegen Verweltlichung, Verbürgerlichung und Verflachung ist eine mühevolle und nicht selten auch ermüdende Aufgabe jedes Christen.
Das verführerische süße Gift einer Anpassung an den gesellschaftlichen Mainstream ist für die Kirche und jeden einzelnen von uns möglicherweise gefährlicher als eine handfeste Kirchenverfolgung, in der klar zu erkennen wäre, wo die "Auserwählten" und wo die "Feinde Gottes" zu finden sind. Dies gilt für unsere Zeiten umso mehr, in denen nach einem aufsehenerregenden Wort Pauls VI. der Rauch Satans sogar in die Kirche eingedrungen ist. (1972) Der "Feind" steht also nicht nur außen, er ist - wie schon von Christus prophezeit - in das Innerste des Heiligtums vorgedrungen. Das süße Gift der "Verweltlichung" findet sich fast überall: In der Liturgie, in den Gebeten der Kirche, in den Sakramenten und auch in ihren Ausspendern. Nur an einem Ort nicht: In der unbefleckten Jungfrau. So hat es Pater Kolbe immer wieder betont.
Auf die Feindschaft zwischen der Welt und den Auserwählten hat Papst Benedikt in seiner berühmt gewordenen "Freiburger Rede" mit eindeutigen Worten hingewiesen (25.09.2011): „Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von dieser ihrer Verweltlichung zu lösen und wieder offen auf Gott hin zu werden. Sie folgt damit den Worten Jesu: ‚Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin‘ (Joh17, 16), und gerade so gibt er sich der Welt.“ Mit anderen Worten heißt das doch: Wo die Kirche "verweltlicht", ist sie nicht mehr offen auf Gott hin, dient nicht mehr Gott, sondern dem Widersacher.
Leider haben diese Warnungen des Papstes in der offiziellen Kirche kaum etwas bewirkt, im Gegenteil: Viele haben sie missdeutet als "Ermutigung" an die Dialogkirche, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Deutlicher hätte die Mahnung des Papstes zu einer Kurskorrektur bzw. zu einer kompletten Umkehr aber doch gar nicht ausfallen können. Und dass die Kirche bis in ihr innerstes Heiligtum - bis hinein in die Sakramente - von einer beispiellosen Verflachung und Verbürgerlichung getroffen ist, kann schon beim Lesen dieses winzigen Internet-Tagebuchs leicht nachgeprüft werden. Wohin läuft die Herde Christi eigentlich, wenn die Hirten, die sie führen sollen, von einer solchen Blindheit geschlagen sind und die Weisungen des obersten Hirten komplett ignorieren?
Wichtiger als diese unvermeidlichen allgemeinen Beobachtungen ist jedoch der Blick ins eigene Herz. Viele bezeugen, dass gerade die Marienweihe ihnen geholfen hat, in der Liebe zu Gott zu wachsen, und gleichzeitig die Geister klarer zu unterscheiden: "Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht" (1Joh 2, 15). Beides wird in Zukunft noch größere Bedeutung erhalten: Das mutige Eintreten für eine Entweltlichung der Kirche einerseits, zu der uns der Heilige Vater nun selbst aufgerufen hat. Und das Streben nach der Vergöttlichung (wie es der Heilige Maximilian Kolbe ausgedrückt hat) andrerseits, denn ohne unser eigenes Bemühen um Vervollkommnung bleibt alle Aktivität fruchtlos.
Diese Gedanken möchte ich Ihnen mitgeben auf dem Weg in das Neue Jahr, meine lieben Gläubigen. Wie es hier auf diesem Blog weitergehen soll, ist noch unklar, da ich in nächster Zeit meine Kraft in die Ausbreitung des Projektes "pro Immaculata" stecken werde. Ich werde mich zunächst nur noch einmal monatlich in diesem Forum zu Wort melden - und zwar jeweils am Herz-Mariä-Sühnesamstag. Über den Newsletter können wir in Kontakt bleiben, falls gewünscht. (Mittlerweile sind mehr als 200 Bezieher registriert. Alle mail-Adressen fallen werden vertarulich behandelt und niemals weitergegeben)
Meinen Segen für Sie alle. Gott schütze Sie im Neuen Jahr. In der Heiligen Nacht bin ich Ihnen im Gebet verbunden!
Ihr in Christo und Maria ergebener
Ihr NN, Landpfarrer
Bild: Die Krippe an jenem Ort, an dem NN lebte, wird für mich wohl immer die schönste bleiben. Möge er ruhen in Frieden!