ein brief, teil zwei - in memoriam erzbischof N.N. (+ 22./23.07.2000)

"Ich persönlich bin froh und dankbar, dass ich keinen Schein ausstellen muss. Denn zum einen hätte ich dann häufig das Gefühl, der 'Entschuldung' der Klientin zu dienen. Doch sie muss selbst die Verantwortung für ihre Entscheidung übernehmen...."

"...Des weiteren gab es mehrere Gespräche, bei denen ich am Ende das Gefühl hatte, dass die Frau die Abtreibung lediglich aus Rücksichtnahme auf ihren Partner in Erwägung zieht. Würde ich ihr dann den Schein geben, hätte ich das Gefühl, ihrem Partner zu helfen, seinen Willen zu bekommen, statt sie in ihrer Haltung zu stärken."

Was eine evangelische Diakonin hier mit wenigen Worten einsieht, erreichte der Papst in Deutschland erst nach jahrelangem Streit, hält der Landpfarrer den Brief einer Bekannten in den Händen. Und die sie haben es bis zum Schluss nicht eingesehen. Sie haben einzig dem Druck nachgegeben.

Damals zerbrach sein Vertrauen. Er - schon auf dem flachen Land angekommen - zog sich noch mehr zurück. Wie konnten sie das dem Papst antun? Noch heute schaudert ihn der Gedanke.

Nur ein einziger Bischof widerstand damals. Kurz nach den entsetzlichen Auseinandersetzungen starb er. So als hätte er seine letzten Kräfte in diesem Kampf hingegeben.

Damals war ihm, als stürbe ein Vater. Und die Welt sei kälter seitdem.

Das Bild der Mutter, die um ihr Kind weint, ist eingeporaegt in die Seele der Christenheit *hier: Kathedrale von Oliva/Naehe Danzig

5 Kommentare:

ginevra hat gesagt…

Ich stimme mit Ihnen überein. Aber letztendlich liegt die Entscheidung bei der werdenen Mutter. Und in deren Haut möchte ich niemals stecken, auch nicht bei einer medizinischen Indikation. Die Schuldgefühle bleiben doch ein ganzes Leben erhalten.
Ginevra

Anonym hat gesagt…

Die Entscheidung ist doch schon gefallen: Gott hat min.einen neuen Menschen, den er sich schon vor der Erschaffung der Welt erdacht und herbeigesehnt hat, aus Liebe ins und zum Leben berufen, um seinen Heilsplan zu vollziehen. Da gibt es für den gottesfürchtigen Menschen nichts mehr zu entscheiden. Und die, die das noch nicht wissen, sollten es schleunigst erfahren. Hier liegt die Pflicht der Kirche, dies zu verkündigen.

lg
Märilu

ginevra hat gesagt…

Liebe Märilu,
natürlich haben Sie Recht.
Aber die Kirche hat dann auch eine weitere Verpflichtung. Sie darf die Frau, die "Ja" zum Kind sagt, obwohl es schwerstbehindert zur Welt kommen wird, oder sie möglicherweise ewig an eine Vergewaltigung erinnert, oder das sie vielleicht nur überfordert, nicht im Stich lassen - nicht seelisch, und vor allem nicht finanziell.
Ich wünsche Ihnen, gesunde "Wunschkinder" in einer intakten Beziehung so gottesfürchtig erziehen zu können, wie Sie selbst sind.

Anonym hat gesagt…

Das tut die Kirche ja auch nicht, die Familien im Stich lassen, weltweit gesehen. Sagen Sie mir eine andere "Organisation" die das so leistet wie die katholische Kirche, allein schon durch die Sakramente. Und auch wenn die Seelsorge manchmal zu wünschen übrig lässt - Gott lässt Niemandem im Stich und kennt und schätzt den Wert des Leides über alle Maßen, hat ER schon alles für uns gelitten.

Herzlichen Dank für Ihre guten Wünsche liebe ginevra! :o)

Märilu

ginevra hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

Über mich

Mein Foto
katholische avantgarde http://www.pfarrer-jolie.de