ein brief, teil VI - postskriptum


Verehrte, liebe Gläubige in den Landpfarreien,

ein kurzer Nachtrag zu meiner Gesprächseinladung:

Auch die Bischöfe haben in einem Brief an die Gemeinden zu einem vierjährigen Gesprächsprozess eingeladen. Anlass waren diverse Reformforderungen, zu denen ich Ihnen bereits einen Brief geschrieben habe.

Bei allem Respekt bleibt  angesichts dieser Ankündigung ein gewisses Unbehagen:

  • Unbehagen deshalb, weil die teilweise in offenem Widerspruch zur kirchlichen Lehre stehenden "Reform-Forderungen" von offizieller Seite als „gutes Signal“ bezeichnet wurden, das „Defizite und Reformerfordernisse“ aufdecken würde. (Hw. Hans Langendörfer am 04.02.2011)

  • Unbehagen deshalb, weil einige wenige Bischöfe sich zwar über eben diese "Reform-Forderungen" empörten, nachdenkliche Beobachter sich jedoch fragen: Wie ist es möglich, dass die Unterzeichner des sogenannten "Memorandums" seit Jahrzehnten an Universitäten lehren, die von eben diesen nun empörten Bischöfen beaufsichtigt werden (sollten)? Haben die Empörten nicht mitbekommen, was sich an ihren theologischen Fachbereichen tut? Das ist schwer vorstellbar.

  • Unbehagen auch deshalb, weil die deutschen Bischöfe in ihrem „Brief an die Gemeinden“ die glaubenstreuen Katholiken nur mit einem Nebensatz erwähnen. Sie werden als jene charakterisiert, „die alles beim Alten lassen wollen und sogar meinen, die Misere der Kirche liege darin, ihrem eigenen Erbe und Selbstverständnis gegenüber nicht treu genug zu sein.“ (ebd. S. 2) Ist es denn wirklich so absurd, wenn einer den Eindruck hat, dass die Kirche der letzten Jahrzehnte ihrem Erbe nicht treu genug war? Ist man deswegen schon jemand, der "alles beim Alten" lassen will? Was wollen die Oberhirten den Priestern und Gläubigen damit eigentlich  zu verstehen geben, wenn in einem Dialog ein Dialogpartner von vornherein desavouiert wird?
Jedem denkenden Menschen ist klar, dass die Situation des deutschen Katholizismus nicht durch die  „Förderung des innerkirchlichen Gesprächs über die Suche nach Gott“ (ebd. S. 2) zu heilen ist. Es muss offen gesagt werden: Die Kirche in Deutschland ist in einer Weise gespalten, dass selbst besonnene Beobachter von einer schismatischen Situation sprechen. Weder unter den Priestern noch unter den Gläubigen besteht ein Konsens darüber, was eigentlich katholisch ist. Ist das den Verantwortlichen noch nicht aufgefallen? Und ist eine "Gesprächseinladung" zur Behebung dieser Krise ausreichend?

Liebe Gläubige, auch angesichts der beschriebenen Zustände gibt es keinen Grund, zu verzagen. Wir alle sind aufgerufen, in Treue zu unserem Stand und zu unserer eigenen Berufung den gegenwärtigen Stürmen zu trotzen. Vergessen wir nicht die „Stillen“ im Lande, die durch ein verborgenes, opferbereites Leben unsere Gemeinden   unterstützen und im Gebet mittragen. Denken wir nicht zuletzt daran, dass die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria schweigend unter dem Kreuz stand und durch ihre aktive Teilnahme am Opfer Christi mitwirkte bei der Erlösung des Menschengeschlechtes. Als alles verloren schien, hat sie ihrem göttlichen Sohn die Treue gehalten und wurde so zur „Mittlerin aller Gnaden“ (Zweites Vatikanisches Konzil, sieh mal an :)) 

Am "Weißen Sonntag" feiert die Kirche den Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit. Nach einem Wort Christi an Schwester Faustina wird dieses Fest ein "Trost sein für die ganze Welt". So bedrückend die Situation unserer Kirche auch ist - wir wissen doch, von wem wir Trost erwarten dürfen. Oder etwa nicht?

Ostern ist noch lange nicht vorbei. Deshalb gilt weiterhin: Frohe und gesegnete Festtage Ihnen allen!

Ihr NN, Landpfarrer

Bild: Dieses Zufallsbild entstand bei einer Fahrt durch unsere Landpfarreien. Wie voller Schätze und Perlen ist der Acker unseres Alltags. Wir müssen sie nur zu entdecken trachten.





















6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

darf ich das für meine Gemeinden übernehmen?

Asmus hat gesagt…

prima Analyse, trotz trauriger Wahrheiten! Darf ich das für meine oberfränkischen Gemeinden übernehmen?

jolie hat gesagt…

sicher doch auch ohne quellenangabe, kein problem

AGi hat gesagt…

Vielen Dank, für Ihre klaren Worte!

Das Angebot, endlose Gespräche zu führen, werden die Kirche in der Überwindung der Krise nicht ans Ziel bringen, denn sie entstammen dem menschlichen begrenzten Geist und sind allzu oft geprägt von Provokation und Selbstüberschätzung. So wird durch das Führen dieser Gespräche eher das Gegenteil erreicht und endet in Spaltung, durch die noch tiefere Wunden der Verunsicherung aufgerissen werden.
Heilen kann die Kirche indes nur das Wirken des Heiligen Geistes, der in der Stille des Gebetes den Zugang zu uns findet. Daher sollten wir beten, viel darum beten, daß unsere Oberhirten einzig und alleine auf den Willen Gottes hören, und im vollsten Vertrauen von Gott gestärkt und ermutigt werden, diesen auch in schwierigen Zeiten zu verkünden.
Wenn die, die den wahren Weg erkannt haben, keine Gelegenheit mehr für sinnlose Diskussionen geben, dann geht den Diskussionsfreudigen der Nährboden aus, und so können auch sie sich dann endlich wieder in Stille dem Wesentlichen, nämlich Gott, zuwenden.
Denn: nicht unser, sondern Gottes Wille geschehe!

wrtlx hat gesagt…

Die Spitzfindigkeit bei der Aufzählung der Argumente ist sprachlicher Natur.
Manche meinen...
Wieder andere meinen....
Wieder andere meinen...
so weit so gut.
Die romtreuen Ktholiken werden mit "Und schliesslich" angehängt, was an sich noch kein Problem ist.
Die Ausgrenzung erfolgt mit dem kleinen unschuldigen Wort "sogar".
Das läuft hier deutlich auf ein entrüstetes "Nun schaut mal dahin, wie kann man nur sooo weit gehen!" hinaus.
Ich halte das nicht für einen Nebensatz. Das sieht eher so aus wie "und die grösste Unbegreiflichkeit zeigen wir euch hier am Ende der Argumentationsliste"
Wer immer das formuliert hat wollte genau das erreichen und das ist die eigentliche Unverschämtheit.

Anonym hat gesagt…

Liebe Oberhirten:

Gotteswille ???

Vier weiter Jahre der:
- Verwässerung
- Vereinfachung
- Modernisierung
- Billigung der Verunsicherung

Schade das Sie nicht zum Gebet aufgerufen haben, dass wäre wesentlich förderlicher gewesen.

Das Erbe der Kirche kann nicht hoch genug geschätzt und geschützt werden.
Gott, Gottes Worte und deren Verkündigung nie altmodisch oder unzeitgemäß werden.

Sollte das nicht Ihre Aufgabe sein? Nicht das zwanghafte Suchen nach etwas Überflüssigem.
Er hat uns schon alles gegeben was wir benötigen, sich selbst.

Es mag schwieriger, unbequemer und nicht Ihrer Karriere förderlich zu sein, doch am Ende werden Ihre Werke nicht von uns Menschen beurteilt, sondern nur von ihm: dem wahren und gerechten Gott.

Danke das es noch solche Hochwürden wie diesen Landpfarrer gibt.

Eine echter Hoffnungsstreifen am Horizont in der erschreckenden Landschaft der Situation der katholischen Kirche.

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